Dr. Wolfgang von Geldern

Wirtschaftsverband

Windkraftwerke e.V.

Geschäftsstelle Cuxhaven

26. Juni 2002


Sehr geehrter Herr Dr. Sauer,

sehr geehrter Herr Schedereit,

mit größtem Befremden entnehmen wir einem Artikel, der am Montag den 24. Juni 2002 in der Osfriesen-Zeitung erschienen ist, daß Sie in einer Expertise zu der Einschätzung kommen, Offshore-Windenergieanlagen seien a priori unwirtschaftlich. Diese Einschätzung ist aus Sicht des Wirschaftsverbandes Windkraftwerke, der mehr als 100 Unternehmen vertritt, die in Deutschland Windparks betreiben, in gar keiner Weise nachzuvollziehen. Alle uns vorliegenden Gutachten und internationalen Forschungsergebnisse kommen zu dem Ergebnis, daß die Nutzung der Windkraft in Offshore-Windparks zur Erzeugung von Strom durchaus wirtschaftlich ist. Die Auswirkungen auf die Energiebilanz Gesamteuropas werden demnach einhellig als sehr positiv beurteilt.

Die Planungen für Offshore-Windparks vor den deutschen Küsten auf Nord- und Ostsee werden ganz überwiegend von langjährig in der Branche erfahrenen Projektierungsunternehmen durchgeführt. Diese Planungen sind mit umfassenden Untersuchungen in Bereichen der Meeresökologie, der Schiffsicherheit, des Planungsrechts, der Anbindung der Offshore-Windparks, der Konflikte mit anderen Nutzern von Nord- und Ostsee sowie weitgehenden ökologischen Untersuchungen verbunden. Die Unternehmen wären nicht bereit, diese mit sehr hohen Kosten verbundenen Untersuchungen auf sich zu nehmen, wenn Offshore-Windenergieanlagen von vorne herein unwirtschaftlich wären. Schlicht falsch ist aus unserer Sicht ihre Aussage, Offshore-Windparks könnten in "Investitionsruinen" enden, für die möglicherweise der Steuerzahler aufzukommen habe. Dieses ist aufgrund der bereits jetzt bekannten Regeln des Genehmigungsverfahrens ausgeschlossen.

Falsch ist ebenfalls Ihre Aussage, in den Wirtschaftlichkeitsberechnungen für Offshore-Windparks seien Ausfall und Wartung nicht einkalkuliert. In allen Kalkulationen sind diese Faktoren, die gerade bei Offshore-Windparkprojekten einen hohen Stellenwert haben selbstverständlich einkalkuliert. Ihre Aussage ist jedoch möglicherweise dazu geeignet, Schadensersatzforderungen zu provozieren, denn Sie unterstellen damit den beteiligten Unternehmen unseriöses Planungsverhalten.

Zur Frage der Netzkapazitäten und Auswirkungen auf das Netzmanagement sei an dieser Stelle lediglich auf das bereits vorhandene europäische Verbundsystem hingewiesen, in dem immer wieder kurzfristige Schwankungen auch in erheblichen Ausmaßen aufgefangen werden. Dies geschieht in der Regel nicht durch Kernkraftwerke sondern durch Mittel- und Spitzenlastkraftwerke, die auf der Basis anderer Energieträger betrieben werden. Da Sie Ihre Aussagen offensichtlich einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt haben, betrachten wir dieses Schreiben als offenen Brief, den wir ebenfalls der Öffentlichkeit zugänglich machen werden.

Mit freundlichem Gruß

Ihr

gez. Geldern

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