VDI nachrichten vom 9.08.02
Mit freundlicher Genehmigung der VDI Verlages entnommen aus der Ausgabe vom 09. August 2002, Seite 1 

Erneuerbare Energie: Deutsche Windbranche will hinaus aufs Meer -
Politiker kritisiert die Kosten der Stromerzeugung

Am Boom der Windkraft kommen Zweifel auf

VDI nachrichten, 9.8.2002

Freunde der Windkraft haben Grund zur Freude. Die Branche boomt in Deutschland. Windmüller profitieren von gesetzlichen Vergütungen ihres Stromes. An den hohen Kosten entzündet sich allerdings auch Kritik. Und Experten glauben, künftige Anlagen auf hoher See seien unwirtschaftlich.

Die deutsche Windkraftbranche feiert einen neuen Meilenstein in ihrer stürmischen Entwicklung. Am Dienstag nahm Bundesumweltminister Jürgen Trittin die Anlage Nr. 8 im neuen Windpark Bimolten in Betrieb. Damit überspringt die gesamte in Deutschland installierte Windkraft-Leistung die Schwelle von 10 000 MW, wie der Bundesverband Wind-Energie feststellt. Der 30 Mio. $ teure Bürgerwindpark Bimolten nördlich von Nordhorn soll mit insgesamt 14 Anlagen zu je 1,8 MW Leistung umweltfreundlichen Strom erzeugen.

In die Jubelfeiern mischen sich allerdings auch Töne der Kritik. So hatte erst kürzlich der CDU-Politiker Matthias Wissmann die hohen Kosten der Stromerzeugung aus Windenergie beklagt. Diese rühren daher, dass Windmüller für jede Kilowattstunde eine gesetzlich festgelegte Mindestvergütung erhalten, die weit über den Erzeugungskosten von Strom aus fossilen Energien liegt. Folglich fordert Wissmann eine Reduzierung dieser Vergütungen und mehr marktwirtschaftliche Verhältnisse.

Dies seien falsche Schlussfolgerungen, entgegnet der Wirtschaftsverband Windkraftwerke (WVW) in Cuxhaven. Mit den Einspeisungsvergütungen in Deutschland werden die Anschubkosten zum Erreichen der vollen Wirtschaftlichkeit bei erneuerbaren Energien auf alle Stromverbraucher verteilt, stellte WVW-Vorsitzender Wolfgang von Geldern fest.

Auch die Diskussionen um Eingriffe in das Landschaftsbild könnten die Branche nicht treffen, da die Zahl der Windpark-Standorte auf dem deutschen Festland begrenzt sei. In Zukunft entwickeln sich die deutschen Windkraft-Unternehmen zunehmend in das Ausland und auf die hohe See, ist von Geldern überzeugt. Dort lägen gewaltige Potenziale.Im Offshore-Bereich könne mit einem ausdauernderen und zuverlässigeren Wind kalkuliert werden als auf dem Festland.

Aber je weiter Windparks entfernt sind von der Küste, um so mehr steigen die Investitions- und Wartungskosten, stellt eine Studie des Ingenieurbüros Fichtner-Development fest. Ein 90-MW-Windpark an der Küste sei wirtschaftlicher als einer auf dem Meer. Die Studie bemisst den Wartungsaufwand allein nach geplanten Wartungszyklen, kritisieren Gustav Sauer, Ministerialdirigent beim Land Schleswig- Holstein, und Lothar Schedereit, Inhaber einer Hamburger Energiefirma. Man müsse aber auch ungeplante Ausfälle kalkulieren. Dies treibe die Kosten weiter hoch. Denn die Betreiber brauchen mehr Geld für Spezialschiffe, um Reparaturen schnell ausführen zu können. mg

Siehe auch Bericht Seite 10    

ZURÜCK
Web-Veroeffentlichung mit freundlicher Genehmigung der
 VDI Verlag GmbH und der Redaktion der VDI nachrichten
 Postfach 10 10 54
 D-40001 Düsseldorf
 
VDI home